29.12.2017

Herausrechnen Nebenzeiten

Bei der Leistungsrechnung, spätestens aber bei einer darauf aufbauenden Entlohnung ist es in sehr vielen Betrieben üblich, Gemeinkosten herauszurechnen. Wenn man aber alles herausrechnet, was bleibt dann übrig? Das was in diesen Betrieben dann als „Leistung“ genannt wird ist nichts anderes als ein Schönrechnen des Mangels. Ein Beispiel: eine Montagegruppe arbeitet mit 10 Personen je 8 Stunden. In dieser Zeit fallen für das Besorgen von Material 1 Stunde an, für das Verbuchen der Aufträge 0,5 Stunden. Eine halbe Stunde konnte die ganze Truppe nicht arbeiten wegen Ausfall eines Prüfsystems. Und es gab noch eine Teambesprechung mit dem Abteilungsleiter von 15 Minuten.  Als Ergebnis werden gemäß den Vorgabezeiten an diesem Tag 84 Stunden erwirtschaftet in Form von fertigen Bauteilen. Die übliche Rechnung geht dann wie folgt:
84/ (10 x 8 – 1 – 0,5 – 10 x 0,5 – 10 x 0,25)  = 84 / 71 = 118,31 %. Richtig gerechnet sieht es dagegen überschaubarer aus: 84/80 = 105 %.
Es werden also hier über 13% Leistung ausgewiesen, die gar nicht da ist. Die Kalkulation der Produkte ist möglicherweise real um 13 % zu klein wenn diese Nebenzeiten nicht als Zuschlag enthalten sind. Im Leistungslohn werden 9 von 80 Stunden (11,25%) der Zeit als Leistung prämiert in der definitiv keine Leistung erbracht wurde. Weder haben die Mitarbeiter sich in dieser Zeit besonders ins Zeug gelegt noch wurde etwas erzeugt, was einem Kunden verkauft werden kann.
Ein modernes Prämierungssystem darf so nicht rechnen, es muß auf verwertbare Ergebnisse und wertschöpfende Prozesse gerichtet sein. Hinzu kommt, daß diese Herausrechnung ja auch noch Aufwand mit sich bringt, der ebenfalls nichts als Verschwendung ist. Es wird er „Mangel verwaltet“ statt die Prozesse verbessert. Auch fehlen jegliche Anreize, Besprechungen und Ausfallzeiten gering zu halten oder auch im obigen Beispiel die Materialversorgung zu optimieren. Im Gegenteil: es besteht sogar ein Anreiz, diese Zeiten auszudehnen, da sie eine evtl. zuvor erzeugte gute Leistung „absichern“. Das Umstellen der Leistungsrechnung und der Prämienentlohnung ist ein wesentlicher Schritt für „lean“.

So geht lean

07.12.2017

Tote Prämiensysteme

Prämiensystem sind in den Unternehmen meist die Systeme und Methoden, die die längste Haltbarkeit aufweisen. So gut das zunächst klingen mag, so problematisch ist es bei genauerem Hinsehen. Viele Systeme wurden eingeführt und sind manchmal länger im Einsatz als der älteste Mitarbeiter an Betriebszugehörigkeit aufweisen kann. Einführung Gruppenarbeit, Einführung SAP-System, BDE, neue Technologien, neues Management oder neue Mitarbeiter und Betriebsräte hat das Prämiensystem genauso überdauert wie Organisationsänderungen, neue Produkte und Produktionsverfahren, neue Eigentümer, lean production, Qualitätsmanagement oder neue Zeitmodelle.
Im besten Fall wurde das Prämiensystem immer wieder angepaßt, meist gut erkennbar an diversen Änderungen und Ergänzungen zur Betriebsvereinbarung. Doch ist es wirklich gut? Wie wäre es, wenn Sie als Dienstwagen einen Mercedes 250 aus den 80-er Jahren bekommen würden, überlackiert, mit diversen Tauschteilen und aufgesteckten Kopfstützen aus dem Supermarkt der 90-er Jahre? Sicher er fährt, aber fährt er auch sicher? Glauben Sie, daß dies Ihren heutigen Anforderungen entsprechen würde? Sicherlich nicht.

Bei Prämiensystem nimmt man das dagegen hin. Es funktioniert ja, d.h. es rechnet aus, welcher Mitarbeiter wieviel Geld bekommt. Eine genauere Analyse zeigt dann aber meist auch, daß der Mitarbeiter die Prämie auch dann bekommt, wenn das Ergebnis der Abteilung – sei es das Produktivitätsergebnis, sei es das Qualitätsergebnis- nicht so toll war. Dann wird – das war eben früher so üblich – eben gerechnet bis es paßt. Stunden werden herausgebucht, Leistungen korrigiert, Qualitätszahlen relativiert.  Gleichzeitig wird damit eine Anspruchskultur geschaffen und gepflegt, die da lautet: „Prämie gibt es immer“. Und eben auch fast immer in gleicher Höhe. Sind aber die realen Ergebnisse nicht Monat für Monat konstant und geben hier und da Anlaß zu Sorge oder zu schlechter Stimmung, dann bedeutet das: Das Prämiensystem ist tot. Es wirkt nicht mehr, die Ruhe an der Front ist nichts anderes als Friedhofsruhe. Personalabteilung und Management reiten einen toten Gaul und merken es oft nicht einmal.

Leistung ist nicht Erfolg

Der Begriff „Leistungslohnsystem“ ist nicht sonderlich gut, zielt er doch zu sehr auf die gewerkschaftliche Sicht, daß vor allem bereits di...